24 Jahre Fussballticker-Rückblick:

Alles hat seine Zeit …
Mit Beendigung der Saison 25/26 geht auch der Porzer Fussballticker in seinen wohlverdienten Ruhestand. 24 Jahre lang haben wir die Porzer Fußballvereine begleitet und ihnen eine Bühne gegeben. Wir haben Menschen zusammengebracht, Konflikte durch offene Worte entschärft und Karrieren sowie Lebenswerke dokumentiert.
Jeden Freitag: Ein Stück Unsterblichkeit
Wir öffnen das Archiv, die heilige „Ticker-Schatzkammer“ (2002–2026), und präsentieren euch in den verbleibenden Wochen ein wöchentliches Highlight-Programm, das die Herzen aller Amateurfußball-Romantiker höherschlagen lässt.
Heute haben Deine fleißigen Redaktionsmitarbeiter Deinen geliebten Redaktionssessel in Beschlag genommen und werden unserem Chefredakteur, der Du über 24 Jahre warst, mal so richtig auf den Zahn fühlen. Viel Spaß beim Lesen.
Unser bester Chefredakteur: Eine Ära geht, die Legende bleibt!
Liebe Fussballticker-Leser,
Bevor wir Redaktionsmitarbeiter heute zu einem tollen Interview mit unserem Chefredakteur Werner Kilian kommen, ein kurzes Vorwort zur Einordnung seiner Arbeit:

Werner Kilian hat mit dem Porzer Fußballticker etwas geschaffen, das weit über eine rein sportliche Berichterstattung hinausgeht. Alleine deshalb ist es für uns Redaktionsmitarbeiter eine große Ehre, seine Lebensleistung hier zu würdigen. Er hat dem Amateurfußball eine Bühne gegeben, die sonst nur Profis vorbehalten ist.
Seine Arbeit war geprägt von einem unbestechlichen Blick für Details, einer unermüdlichen Präsenz an den Seitenlinien und vor allem von einem Respekt gegenüber jedem Akteur – vom Platzwart bis zum Vorstandsvorsitzenden. Er hat den Porzer Fußball nicht nur begleitet, er hat ihn veredelt.

Redaktion Fussballticker: Lieber Werner, 24 Jahre hast Du hier auf diesem edlen Redaktionssessel gesessen. Heute sitze ich im Namen Deiner Redaktionsmitarbeiter mal hier und soll Dir mal kräftig auf den Zahn fühlen. In ein paar Wochen ist der Fussballticker Geschichte, dann endet eine wirklich legendäre Zeit über 24 Jahre Fußballberichterstattung in Porz. Wie sieht es heute in deiner Gefühlswelt aus, wenn dein „Baby“ erwachsen ist und uns alle verlässt?
Werner Kilian (Chefredakteur): Dass Du heute auf diesem Platz sitzt und mir „auf den Zahn fühlst“, ist ein ungewohntes, aber sehr schönes Gefühl. Das ist für mich auch ein bewegender Moment, denn es führt mir vor Augen, dass der Porzer Fussballticker ein tolles Gemeinschaftswerk von vielen Menschen und Mitarbeitern war, die die Leidenschaft für den lokalen Fußball teilen.
Wenn ich heute in meine Gefühlswelt blicke, ist da vor allem eine tiefe Dankbarkeit. 24 Jahre sind in der schnelllebigen digitalen Welt eine halbe Ewigkeit.
Dass dieses „Baby“, wie ich es immer wieder genannt habe, über zwei Jahrzehnte wachsen und gedeihen durfte, ist sicher ein Privileg. Es ist wie vor einem großen Finale wo man weiß, dass der Tag kommen wird,
an dem auch dieses tolle Projekt ein Ende hat, ein Buch was langsam geschlossen wird.
Es ist aber auch rückblickend der Stolz auf all die Menschen die mit dem Ticker in Berührung gekommen sind – und damit meine ich ganz Porz und den gesamten Kölner Fußballkreis, eben die große Fußball-Familie.
Redaktion Fussballticker: Kannst Du mit ein paar Sätzen diese lange Zeit reflektieren? 
Werner Kilian (Chefredakteur): Ich habe 2002 angefangen, um dem Amateurfußball eine Stimme zu geben und wir können alle stolz sein, dass wir dem Porzer Fußball eine Bühne gegeben haben, die er verdient. Wir haben nicht nur Ergebnisse geliefert, sondern Geschichten erzählt. Wir haben den Vereinen, den engagierten Menschen eine
Anerkennung zuteilwerden lassen, die über den Platz hinaus Bestand hat.
Dass wir dabei auf starke Sponsoren wie Georg Schneider, Sabine Kluge, Jan Roland, Robert Gebhard, Christian Vonthron, Philipp Leugermann und andere zählen konnten, war das Fundament, auf dem dieses Projekt 24 Jahre lang stabil stehen konnte.
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Redaktion Fussballticker: Aber Du hast doch sicher heute auch ein weinendes Auge, oder…?
Werner Kilian (Chefredakteur): Natürlich schwingt Wehmut mit. Wenn das eigene Lebenswerk „erwachsen“ ist und man sich entscheidet, es am 7. Juni 2026 in den Ruhestand zu verabschieden, fühlt sich das ein wenig so an, als würde man einen Teil seiner eigenen
Identität loslassen. Die Sonntage auf den Plätzen, der Geruch vom sinnbildlichem frischem Rasen und einer dicken Bratwurst und natürlich der Austausch mit euch Redaktionsmitarbeitern – das alles wird eine Lücke hinterlassen.
Doch wie ich gerade schon andeutete, ich gehe mit einem guten Gefühl. Wir hören auf, wenn es am schönsten ist. Wir hinterlassen keine Ruine, sondern eine Legende. Das „Baby“ ist nicht einfach weg – es hinterlässt ein digitales Archiv voller Porzer Sportgeschichte und unzähliger Erinnerungen in den Köpfen der Fans und Spieler. Es war einfach eine tolle Zeit, wie wir alle den Ticker als Mannschaft gerockt haben.
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Redaktion Fussballticker: Hast Du Pläne wie Du den 7. Juni 2026 verbringen und vor allem wie Du Dich fühlen wirst?
Werner Kilian (Chefredakteur): „Ehrlich gesagt nein, ich werde mir aber sicher zu später Stunde ein paar Bierchen genehmigen und den letzten Ticker raushauen.
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Redaktion Fussballticker: Dein Name steht für journalistische Akribie. Warum war dir immer das Detail so wichtig bei deinen Berichten?
Werner Kilian (Chefredakteur): „Weil Fußball in Porz kein Hobby ist,
sondern eine Lebenseinstellung. Wenn ich die Torschützen der Kreisliga C oder B nicht korrekt nenne, verfälsche ich deren Geschichte. Jeder Spieler, der sonntags die Knochen hinhält, hat es verdient, dass sein Einsatz gewürdigt wird. Das war mein Antrieb: Den Amateurfußball auf das Level zu heben, das er verdient – die Champions League des Veedels.“
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Redaktion Fussballticker: Werner, wenn du an den Juni 2002 zurückdenkst: Was war der entscheidende Funke, der dich damals dazu brachte, ein Projekt wie den Porzer Fußballticker aus der Taufe zu heben?
Werner Kilian (Chefredakteur): „Wenn ich an die Anfangszeit zurückdenke, sehe ich mich noch mit einem dicken Notizblock und
einem Nokia-Handy am Spielfeldrand stehen. Die Vision, die Idee, war simpel: Ich wollte das der Junge, der in seiner Liga das entscheidende Tor schießt, montags seinen Namen im Netz liest – genau wie die Profis im Kicker. Und wenn möglich auch noch mit einer fetten Schlagzeile.
Dass daraus 24 Jahre werden würden, war nicht geplant. Es war wie eine gute Grätsche: Wenn man einmal ansetzt, zieht man durch, bis der Ball geklärt ist. Ich erlebte noch die Zeit, wo dem Amateurfußball in den Medien noch wirklich eine große Bühne gegeben wurde. In den gängigen Zeitungen wurde seitenlange Berichte über den Fußball in den unteren Amateurklassen veröffentlicht.
Als fußballverrückter hast Du die Artikel ja regelrecht aufgesaugt. Und dann gabs ja noch den legendären Liga-Star, der mit großem Aufwand u.a. auch den Jugendfußball beleuchtete. Aber mit der Jahrtausendwende veränderten sich die Medien nach und nach. Und man musste leider feststellen, dass dem Amateurfußball immer weniger Platz eingeräumt wurde. Damit fing alles an.“
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Redaktion Fussballticker: Hattest du damals auch nur ansatzweise die Vorstellung, dass dieses „Baby“ tatsächlich einmal diesen Status erreichen und zur Institution reifen würde? Und wann war der Zeitpunkt wo du merktest, dass das was Größeres werden könnte?
Werner Kilian (Chefredakteur): „Nein, natürlich nicht. Die Anfänge waren nicht einfach. Wie bei jedem Projekt galt es Vertrauen für die Aufgabe zu finden. Ich habe die Porzer Fußballclubs aufgesucht und
mich mit den Trainern und Funktionären unterhalten und mein Vorhaben an den Mann gebracht.
Natürlich dauerte das alles seine Zeit. Ich erinnere mich noch gut an die Anfänge 2002/2003 bei Germania Zündorf mit Trainer Norbert Neu und Wilfried Dornbusch. Das waren damals meine ersten Ansprechpartner. Zündorf stieg damals in die Kreisliga B auf, das wurde dann pressetechnisch vom Ticker gut begleitet und so stieg dann auch langsam die Anerkennung für den Porzer-Fussballticker.
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Redaktion Fussballticker: Damals hieß er noch Fussballticker Porz-Online.de…
Werner Kilian (Chefredakteur): „Ja genau. Medientechnisch bekam ich bei Porz-Online.de einen Ablege- und Veröffentlichungsplatz im
Internet. Der Dank geht da an Webmaster Bodo Priesterath, der seine Seite www.Porz-Online.de ja immer noch mit einer großen Akribie betreut. Es war damals sein Verdienst, dass er mir diesen Internetplatz auf seiner Seite als Ableger zur Verfügung stellte.
Der Ticker entwickelte sich dann nach und nach weiter. Später haben
wir das dann umgeswitcht, da hatte ich dann eine eigenständige Internetseite bzw. Homepage, aus der dann auch eine kleine Namensänderung in www.Porzer-Fussballticker.de hervorging.
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Redaktion Fussballticker: Zwei Dutzend Jahre lang Redaktionsarbeit: Wie viele tausend Tassen Kaffee und schlaflose Nächte stecken wirklich in dieser Ära? Und welche Philosophie hast du verfolgt und wie hast du es immer wieder geschafft, die Motivation hochzuhalten?
Werner Kilian (Chefredakteur): „Ja (…lacht…), die schlaflosen Nächte? Die habe ich aufgehört zu zählen. Mein Roter Faden war meine Gradlinigkeit. Schau, Akribie ist im Amateurfußball eine Form von Respekt. Wenn ich als Reporter einen Namen falsch schreibe oder eine Minute vertausche, dann hat mich das immer maßlos geärgert.
Warum? Weil dieses Spiel für die Beteiligten in diesem Moment das Wichtigste der Welt war. Also das hieß: Sei nah dran, aber wahre den Anstand und schreib mit einer gehörigen Portion Leidenschaft. Das war immer mein Anspruch. Und damit bin ich immer gut gefahren.
Mein Ziel war immer, dass Match so niederzuschreiben, dass Du als Leser das Gefühl bekommst, selber am Platz gewesen zu sein. Da müssen Fakten und auch Emotionen rein, so dass du diesen Bericht regelrecht verschlingst. Die Leser, die nicht da sein konnten, müssen beim Lesen ein Gefühl bekommen, das sie in das Match rein katapultiert werden und es sinnbildlich nochmal erleben.
Kritische Berichte hingegen mussten so verfasst sein, dass man sich am
nächsten Sonntag noch auf ein Kölsch in die Augen schauen konnte. Und das war ja meist auch immer der Fall.
Und natürlich hat es auch Momente gegeben, da hätte ich am liebsten alles hingeschmissen. Es waren Phasen, wo der Informationsfluss nur sehr schleppend war, wo man seinem Anspruch schuldlos nicht gerecht werden konnte oder die PC-Anlage mal wieder ausfiel. Aber das hielt dann irgendwie nicht lange an, dann kam dann diese unzertrennliche Projekt-Liebe wieder zum Vorschein und es ging weiter.
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Redaktion Fussballticker: Wie hat das Projekt klassisch funktioniert. Wie kamst Du an alle wichtigen Informationen?
Werner Kilian (Chefredakteur): Ein Projekt dieser Größenordnung lässt sich nicht aus einem fernen Newsroom steuern. Es lebt vom „Stallgeruch“. Und damit kamt ihr ins Spiel. Der Ticker stieß schnell auf Akzeptanz und somit war es meist sehr einfach, in den Clubs mindestens einen Mitarbeiter oder nennen wir es Zuarbeiter zu
begeistern. Das waren dann Spieler, mir bekannte Zuschauer, der Betreuer, der Physio, aber vor allem die Trainer, die sich immer gerne Zeit für ein Statement nahmen. So wurde man dann Redaktionsmitarbeiter.
Und ich habe ja dann Sonntag für Sonntag die Begeisterung gesehen, mit der diese Aufgabe erfüllt wurde. Einige Mitarbeiter haben sich mit der Zeit oder in den Jahren als echte Sportjournalisten herauskristallisiert. Sie gingen in der Berichterstattung wahrlich auf und die Qualität ihre Arbeit war absolut TOP. Jeder Verein hatte seine Gesichter, die den Ticker mit Leben füllten. Meine Aufgabe war es dann,
die Informationen sportjournalistisch zu überarbeiten, zu sortieren und zu komprimieren. Dann war die Ausgabe fertig.
Mittlerweile haben ja viele Porzer Fußballclubs ihre eigene Homepage und eine große Ticker-Community. Das ist sehr gut, denn es geht nichts über Aktualität auf der eigenen Seite und es ist für die eigenen Fans auch ein Zeichen einer guten Öffentlichkeitsarbeit.
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Redaktion Fussballticker: Kurz nach dem Tickerstart gab es ja dann auf einmal diese Pokale und Urkunden. Wie ist das entstanden?
Werner Kilian (Chefredakteur): Ja genau, das wurde dann wahrlich ein Volltreffer. Das gab es in dieser Form noch nie und für die Porzer
Fußballclubs war das zum Abschluss einer Saison ein kleiner Höhepunkt. Wir beschlossen dem besten Porzer Torjäger, dem besten Porzer Torwart und der Mannschaft mit den meisten Toren in einer Saison einen besonderen Ehrenplatz zu geben.
Jeder Gewinner bekam einen dicken Pokal, wir haben sie ehrfürchtig in Goalgetter-Trophy, Goalkeeper-Trophy und Goalgunner-Trophy getauft.
5-7 Spieltage vor dem Saisonende kamen dann die Tabellenstände und Listen heraus, wo jeder seinen Platz ablesen konnte. Am Saisonende hatten wir dann drei große Sieger, ehrten jeden noch neben dem Pokal mit einer tollen Urkunde und einem Geldscheck, der seinen Weg in die
Mannschaftskasse finden sollte.
Es war dann schon lustig, das zum Saisonende immer etliche Mails in der Redaktion eingingen und Nachfrage hielten. Das alles wäre aber ohne die Sponsoren nicht möglich gewesen. Die Ehrungen waren dann für die Beteiligten immer etwas ganz Besonderes und wurden danach auch meist sehr kräftig mit Bier begossen.
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Redaktion Fussballticker: Der Ticker hatte vor ein paar Jahren auch mit Corona zu kämpfen. Die Absagen von kompletten Spielzeiten forderte auch die Redaktion ordentlich heraus.
Werner Kilian (Chefredakteur): Oh ja, das war eine schlimme Zeit, wo wir alle gefordert waren. Nach dem die Spielzeiten offiziell abgesagt
oder für beendet erklärt wurden, haben wir große Interview-Serien mit Vereins- und Funktionsträgern gestartet. Die Meinung der Clubs und der Fans war uns wichtig, da jeder auf sein sonntägliches Ritual um den Ligafußball verzichten musste. Es war eine schwierige und komplizierte Zeit die uns allen vor Augen führte, dass es tatsächlich Dinge im Leben gibt, wo die Welt stehenbleibt.
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Redaktion Fussballticker: Neben dem Ticker warst Du gerade in dieser Coronazeit auch für andere Medien unterwegs.
Werner Kilian (Chefredakteur): Richtig, mir war in dieser Phase
einfach der Transport der Informationen wichtig. Es wurden Sport- und Fußballthemen behandelt, Interviews gemacht und viele andere sportbezogene Berichte. Es folgten Berichte im Wochenspiegel, Porz Aktuell, in EXPRESS Die Woche, in den Rheinischen Anzeigenblätter, in Porz-Online.de und Porz
im Blick mit der geschätzten Pressekollegin Sabine Robels. Sie ist eine erfahrene und engagierte Journalistin sowie Pressemitarbeiterin, die in den Kölner Medien fest verwurzelt war. Leider ist sie vor ein paar Jahren mit ihrem Sohn Stefan Richtung Norden gezogen, aber ich will hier gerne die Möglichkeit nutzen, ihr viele Grüße zu bestellen.
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Redaktion Fussballticker: Werner, von der SpVg. Porz bis zum RSV Urbach, von Zündorf bis Westhoven: Du genießt bei allen Clubs höchsten Respekt. Was ist das Geheimnis dieser „diplomatischen Immunität“ im oft hitzigen Fußballgeschäft? Und wieso wusstest du immer als erster von Trainer- und Spielerwechseln usw.?
Werner Kilian (Chefredakteur): Es war immer eine große Portion von Vertrauen zu den Clubs und den verantwortlichen Funktionsträgern im Spiel vorhanden. Und das von beiden Seiten. So haben sich dann
nach und nach Freundschaften entwickelt. Das Vertrauen der Vereine war mein höchstes Gut. Und das muss man sich verdienen und pflegen.
Ich habe mich über die vielen Jahre immer als Partner der Vereine gesehen, nicht als Richter. Die Diplomatie habe ich mir wohl dadurch erarbeitet, dass ich auch dann da war, wenn es geregnet hat und es um nichts mehr ging – nicht nur bei den großen Derbys.
Und natürlich kam mir auch mein eigentlicher Job bei der
Kriminalpolizei in puncto Diplomatie zugute, keine Frage. Das ich oftmals schon sehr früh von Trainer- und Spielerwechseln Kenntnis hatte, ist auch dem guten Vertrauensverhältnis zwischen den Trainern, Funktionären und mir geschuldet. Ich glaube man wusste, dass die vertraulichen Worte bei mir gut aufgehoben und behütet werden. Aber auch hier gilt: Das Vertrauen musst du dir erstmal erarbeiten.
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Redaktion Fussballticker: Welcher Porzer Fußball-Charakter hat dich in all den Jahren am meisten beeindruckt oder vielleicht auch am meisten Nerven gekostet?
Werner Kilian (Chefredakteur): „Eine gute Frage. Beeindruckt haben mich immer wieder das hautnahe Erleben der Meisterschaften und Aufstiege. Diese unfassbare Freude, die da bei Spielern, Trainern und den Fans zum Vorschein kam, die sichtbar wurde, als hätte man gerade die Champions League gewonnen.

Oder diese Klassenerhalts-Geschichten, wo Du regelrecht hören konntest, dass den Spielern und Zuschauern 1000 Steine vom Herz purzelten. Sprich: Emotionen pur! Und du bist dann mittendrin und darfst und kannst das alles auch noch in Worte fassen. Das war sicher immer ein großes Privileg.
Der Vorteil war auch, dass man durch die jahrelangen engen Begleitungen sehr nah an den Mannschaften dran sein konnte. Dazu
gehörte auch mal die ein oder andere Trainingseinheit der Jungs mitzuerleben. Also der Bereich in der Woche, wo wirklich hart gearbeitet wird. Das Herz der Mannschaft. Das verkennen ja viele, dass hier eigentlich die Bausteine der Arbeit gelegt werden. Und das hier der ganze Trainer-Staff, Betreuer, Physio usw. ihre Zeit investieren.
Beeindruckt haben mich einige gute Trainer, die sich über eine lange Zeit in den Clubs behaupten können bzw. konnten und Erfolge einfuhren. Da brauchst du schon ein großes Charisma, eine eigene
Philosophie. Und Du musst ein verdammt großer Motivationskünstler sein mit einem tollen Team was Dir folgt. So kannst Du dieser Aufgabe und dem eigenen Anspruch gerecht zu werden.
Es waren viele tolle Ereignisse und Erlebnisse, wo man unschwer erkennen konnte, dass der Fußball was mit den Menschen macht. Welche Strahlkraft er einfach hat. Was gerade Porz betrifft, ist für mich die Sache mit der Mittelrheinliga ein absoluter sportlicher Höhepunkt. Dass die „Rothosen“ mit Jonas Wendt der steile Aufstieg in die Mittelrheinliga gelungen ist und dass sie sich jetzt im dritten Jahr dort
halten können. Das ist einfach irre.
Wer hätte denn vor Jahren daran gedacht, dass Porz noch mal in die Oberliga aufsteigt? In die 5. Liga! 2011 glaube ich sind sie abgestürzt in die Kreisliga. Bleiben wir ehrlich: Für Porzer Verhältnisse ist das eigentlich schon eine kleine Welt der Champions League. Deswegen ragt bei allen großen Erfolgen im Porzer Fußball und bei allen erfolgreichen engagierten Trainern die diese Stadt hervorgebracht hat, diese Note ganz besonders heraus.
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Redaktion Fussballticker: Was uns in der Redaktion immer allen
imponiert hat, war die Tatsache das du jedes Spiel immer durch und durch lesen konntest und das dann 1:1 auf Papier brachtest. Oft auch bei Spielen, wo du gar nicht live dabei warst. Was war hier dein Geheimnis?
Werner Kilian (Chefredakteur): Jetzt muss ich ein wenig ausholen. Also, mein Fußballbesessener Vater hat mich in meinen Kinder- und Jugendjahren zu vielen Spielen mitgeschleppt. Er war selbst in unserem
kleinen Eifelverein Vorstandsmitglied und Schriftführer, er war der Mann für die Öffentlichkeitsarbeit und hat alle Ereignisse in Wort und Bild gesetzt, damit hatte ich von klein auf einen großartigen Lehrer.
Dann bin ich aus der Generation, wo man als kleiner Bursche abends bis tief in die Dunkelheit auf der Straße jeden Tag mit den Dorfjungs gekickt hat, also der typische Straßenkicker, den man heute kaum noch kennt. Wir haben jedes Spiel im Fernsehen bis in die Dunkelheit nachgespielt, bis die Eltern uns von der Straße zerren mussten oder alles wieder ergebnistechnisch im Lot war.
Dann habe ich ja selbst noch gespielt, es aber nicht ganz in die
Bundesliga geschafft, konnte aber einige Jahre in den hohen Jugendfußball reinriechen. Mit dieser Entwicklung hattest Du dann von klein auf schon eine große Portion Fußballverständnis. Wenn Du dann noch ein Faible für den Sportjournalismus hast, einen fesselnden Schreibstil mit einem guten journalistischen Handwerk mitbringst und weiterentwickelst, dann geht fast alles wie von selbst.
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Redaktion Fussballticker: Wäre der Trainerjob für dich nicht eine große Alternative gewesen?
Werner Kilian (Chefredakteur): Ja, da hast Du Recht, das stand eigentlich auf meinem fußballerischen Lebensplan. Als es nach einer schweren Sportverletzung aktiv nicht mehr weiter ging, habe ich in jungen Jahren den damaligen B-Trainerschein an der Sportschule
Oberwerth in Koblenz bei dem guten Ewald Hammes gemacht, der vor einigen Wochen seinen 80. Geburtstag feierte.
Ich musste aber letztendlich feststellen, dass der sehr zeitintensive Trainerjob mit meinem Hauptberuf zeitlich nicht vereinbar war, so dass ich dieser anspruchsvollen Aufgabe nicht gerecht werden konnte. So war dann der Sportjournalismus als freier Mitarbeiter eine Form, wo ich mit dem Fußball weiter verbunden sein und ihm auch etwas zurückgeben konnte.
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Redaktion Fussballticker: Werner, ich denke das ich hier auch für die anderen Redaktionsmitarbeiter spreche, wenn ich behaupte, dass Du mit Deinem Ticker den Lokalsport auf ein journalistisches Niveau gehoben, das weit über die Grenzen des Rechtsrheinischen hinaus Maßstäbe gesetzt hat.

Du hast den Staub der Ascheplätze ebenso dokumentiert wie den Glanz der neuen Kunstrasen-Ära. Und für Dich gab es keine „unwichtigen“ Spiele. Ob Bezirksliga-Derby oder Kreisliga C, jedes Match hatte pressetechnisch seine Berechtigung. Ein Geschenk an die Porzer Clubs würde ich sagen.
Werner Kilian (Chefredakteur): Danke für die Laudatio mein Lieber, ich würde es mal so sagen, dass wir etwas über 24 Jahre positiv bewegt haben. Wie ich schon eingangs erwähnte, wir haben Menschen erreicht, wir haben Sportsmännern eine tolle Bühne gegeben und auch
eine gute Öffentlichkeitsarbeit für die Porzer Clubs gemacht. Irgendwie war das alles für eine große Familie, der Porzer Fußballfamilie, wo jeder Club einfach dazugehört.
Und ja, wir haben die Ära vom Ascheplatz zum Kunstrasenplatz erlebt und dokumentiert. Wenn man das heute so anschaut, hat sich vieles verändert. Die Asche hatte eine Seele, aber der Kunstrasen hat das
Spiel schneller und technischer gemacht. Was sich nicht geändert hat, ist die Leidenschaft. Und die ist heute vor den Spielen genauso wie 2002.
Bei all diesen Unregelmäßigkeiten war aber eine Sache immer ein ungeschriebenes Gesetz. Jeder Porzer Fußballclub sollte und musste seine Berechtigung und Aufmerksamkeit bekommen. Ich denke das haben wir über viele Jahre gut hinbekommen.
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Redaktion Fussballticker: Werner, noch drei letzte Fragen: Viele von uns wissen, dass Du auch eine enge Verbindung zur Rockmusik hast,
insbesondere zu Deiner Lieblingsband STATUS QUO. Ich habe gelesen das Du sie sage und schreibe 139-mal live gesehen hast. Ist das ein Schreibfehler?
Werner Kilian (Chefredakteur): Nein, das ist kein Schreibfehler. Diese große Liebe fing 1976 in der alten Kölner Sporthalle an und hat
bis heute Bestand. Schau, auch da wieder ein 50-jähriges Fan-Jubiläum. Da kommen dann mal so viele Gigs zusammen. Aber es geht gar nicht um die Anzahl der Konzerte, sondern um die Liebe zur Band und ihrem genialen Boogie-Rock, den Freundschaften mit den vielen Fans und die unvergessenen Reisen, wo immer sie auch gespielt haben.
Das sind und waren für mich Erlebnisse fürs Leben. QUO hat mich immer begleitet, in guten und in schlechten Zeiten. Sie waren irgendwie immer ein guter Doktor oder eine gute Medizin für mich. Das ein oder andere Event war sicherlich nicht billig, aber ich kann Dir ehrlich sagen: Es war jeden Cent wert und ich würde alles wieder so machen.
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Redaktion Fussballticker: Du betreust unter www.Presse-Media-Online.de eine eigene Homepage und bist in puncto Pressearbeit viel in der Republik, in Holland oder auf der Insel unterwegs. Sehen wir dich in Zukunft gar nicht mehr auf den Fußballplätzen?
Werner Kilian (Chefredakteur): Natürlich sehen wir uns auf den Fußballplätzen wieder. Irgendwie kann ich doch auch nicht so ganz ohne den geliebten Fußball, auch wenn jetzt eine Veränderung ansteht. Und es ist bestimmt auch ein schönes Gefühl, ein tolles Match mit einem Bierchen und einer Stadionwurst ohne irgendwelchen Zeitdruck zu genießen. Ja und für mein anderes Rockmusik-Faible, habe ich dann jetzt etwas mehr Zeit.
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Redaktion Fussballticker: Werner, die letzte Frage: Warum beendest Du gerade jetzt am Ende der laufenden Saison das Medium des Porzer Fussballticker? Warum machst du nicht die 25 Jahre voll?
Werner Kilian (Chefredakteur): „Warum jetzt? Weil ich möchte, dass der Ticker als Champion abtritt. Man darf den Zeitpunkt nicht verpassen, an dem man den Stift niederlegt oder weiterreicht. Ich gehe im Herbst ja auch in den beruflichen Ruhestand, von daher ist das
schon in Ordnung. Der erste Sonntag ohne Bericht wird seltsam sein. Wahrscheinlich werde ich unbewusst um 18:00 Uhr den Ticker aufrufen und auf die erste Rückmeldung warten…
Der Fußball hat mir gezeigt, dass man im Leben oft wieder aufstehen muss, genau wie nach einem Foul auf der Asche. Der Ticker war ein Teil meines Lebens, aber er war nur möglich, weil die Porzer Fußballfamilie mich gelassen hat. Was ich gelernt habe? Der Fußball in Porz ist ehrlich, rau und voller Herzblut und Leidenschaft. So muss und wird er immer bleiben.
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Redaktion Fussballticker: Werner, vielen Dank für Deine Worte, wir werden jetzt noch mit Dir ein paar Bierchen auf Dich zischen. Den Redaktions-Kühlschrank haben wir schon randvoll gefüllt… und schau, Dein geliebter Cola-Whiskey ist auch dabei. Bleib einfach gesund, genieße die tolle Zeit die kommt und wir freuen uns immer wieder auf ein Wiedersehen. Mach et juut!

📊 DIE BILANZ EINER ÄRA (2002–2026)
| Kategorie | Meilensteine & Legenden |
| Der Start | Juni 2002 – Erste Berichte noch via SMS & Modem |
| Die Orte | Von der Brucknerstraße bis zum Langeler Wembley |
| Die Währung | Ehrliche Worte, harte Kritik und ein kaltes Bier |
| Der Fokus | Akribie bis in die Nachspielzeit |
| Das Erbe | Ein lückenloses Archiv der Porzer Fußballseele |
| Die Zeit | 8.766 Tage im Dienst des runden Leders |
| Der Report | Tausende Spielberichte mit großen Karrieren |
| Der Meter | Unzählige Kilometer im gesamten Stadtgebiet |
| Die Vision | Mit 100% Herzblut |
| Was bleibt? | Ein glücklicher Chronist, Reporter und Porzer Fußballfreund |
| und jetzt? | Rockin´ all over the world |



