24 Jahre Fussballticker-Rückblick:

Alles hat seine Zeit …
Mit Beendigung der Saison 25/26 geht auch der Porzer Fussballticker in seinen wohlverdienten Ruhestand. 24 Jahre lang haben wir die Porzer Fußballvereine begleitet und ihnen eine Bühne gegeben. Wir haben Menschen zusammengebracht, Konflikte durch offene Worte entschärft und Karrieren sowie Lebenswerke dokumentiert.
Jeden Freitag: Ein Stück Unsterblichkeit
Wir öffnen das Archiv, die heilige „Ticker-Schatzkammer“ (2002–2026), und präsentieren euch in den verbleibenden Wochen ein wöchentliches Highlight-Programm, das die Herzen aller Amateurfußball-Romantiker höherschlagen lässt.
Wenn es eine Figur gibt, die das Fundament des Porzer Fußballs mit dem Giebel des Weltfußballs verbindet, dann ist es Wolfgang Weber. Für den Porzer Fußballticker war die Begleitung seines Porzer Weges und das vielfache Zusammentreffen nicht nur eine journalistische Aufgabe, sondern eine Herzensangelegenheit, die oft von tiefer Ehrfurcht geprägt war.
Eines vorneweg: Auch wenn die Hommage immer wieder zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her switcht, ist es uns wichtig zu sagen, dass es „unserem Wolle“ gut geht, er seinen Alltag genießt und alles dafür tut, wieder mal ein Spiel seiner „Rothosen“ zu besuchen.
Ein Porzer Jung und das legendäre „WembleyTor von 1966“
Für einen Sportjournalisten ist immer eine ganz besondere Ehrensache ein Interview mit einer großen Fußball-Legende zu führen. Das sind genau die Momente die es einzufangen gilt und die für einen lebendigen Sportjournalismus stehen. Die heutigen Zeilen sind Wolfgang Weber gewidmet und es ist eine Hommage an die Begegnung zwischen der schreibenden Zunft und der lebenden Legende. Viel Spaß beim Lesen.

Wolfgang Weber ist weit mehr als eine FC-Ikone. Er ist die personifizierte Fußballgeschichte des Stadtteils. Bevor er zum „Bullen“ von Müngersdorf wurde, lernte er das Fußball-Einmaleins genau dort,
wo der Porzer Fußballticker seine Wurzeln hat: auf den Plätzen der SpVg. Porz.
Seine sportliche Vita liest sich wie ein Märchen des deutschen Fußballs. Er war der Unverwüstliche. Unvergessen ist sein Einsatz im Weltmeisterschafts-Finale 1966 gegen England, als er in der letzten Minute der regulären Spielzeit den Ausgleich zum 2:2 erzielte. Er war der Mann, der Deutschland in die Verlängerung rettete, auch wenn das WM-Finale durch das legendäre „Wembley-Tor“ dann verloren wurde.
Wolfgang Weber: Der „Bulle“ aus Porz
Er war im wahrsten Sinne des Wortes der „Wembley-Tor-Zeuge“, da er in dem Augenblick, als der Ball von der Latte auf die Linie sprang, nur vier Meter (!) vom Tatort entfernt war. Einen besseren Zeugen hat die
Fußballwelt nicht gefunden.
Und auch heute, 60 Jahre nach dem dramatischen Finale von Wembley, schwört er bei allem was ihm lieb ist, dass der Ball nicht die Linie überschritten hatte und es somit kein Tor war. Er ist der größte Zeuge im ungelösten Kriminalfall „Das Wembley-Tor von 1966“.
Das wunderbare am Menschen Wolfgang Weber ist, dass er noch heute jedem interessierten Zuschauer oder Jugendlichen die Ereignisse genau schildert, was sich da wirklich abgespielt hat. Und er nimmt sich für die Menschen Zeit und lässt gerade die junge Generation, die davon vielleicht gar nichts oder sehr wenig wissen, staunend und mit leuchtenden Augen zurück.
Das Wembley-Tor lässt ihn bis heute nicht in Ruhe
Ich wurde in den ganzen Jahren oft gefragt, wie ist denn der Weber so im Interview? Meine Antwort:: „Er ist eine Fußball-Legende der sehr
bescheiden geblieben ist, der mit beiden Beinen auf dem Boden steht und weiß wo er herkommt!“ Das umschreibt es sehr gut. In den Interviews mit dem Fußballticker zeigte er immer eine bemerkenswerte Annehmlichkeit: Er nahm sich Zeit und er hörte zu.
Für ihn gab es keine „unwichtigen“ Fragen, wenn es um den Fußball in seiner Heimat ging. Er war ein Interviewpartner, der Tiefe bot, der Anekdoten mit Fachwissen verknüpfte und dabei eine Herzlichkeit ausstrahlte, die jeden Termin zu einem Erlebnis machte.

Mit dem FC wurde er 1964 erster Bundesliga-Meister der Geschichte und holte 1968 sowie 1977 und 1978 den DFB-Pokal. In 356
Bundesliga-Spielen verkörperte er Tugenden, die heute oft vermisst werden: Loyalität, Härte gegen sich selbst und absolute Fairness.
Der Weg in den Olymp des Weltfußballs
Es war eine logische Folge das er in die Nationalelf berufen wurde und
dort 53-mal im Trikot des DFB auflief. Er war ein Beweis dafür, dass man mit Bescheidenheit und harter Arbeit zum Weltstar reifen kann.
Trotz der großen Stadien in London, Mexiko-Stadt oder München vergaß Wolfgang Weber nie, wo seine Reise begann. Die SpVg. Porz blieb über
Jahrzehnte sein Ankerpunkt.
Er wurde nicht nur zum Ehrenmitglied ernannt, er lebte diese Mitgliedschaft. Weber kümmerte sich im besonderen Maße um die Bedürfnisse seiner „Rothosen“, wie er sie auch heute immer noch nennt.
Die SpVg. Porz: Sein ewiger Herzensverein
Ob es um die Förderung der Jugend ging, um strukturelle Fragen im
Verein oder einfach nur um seine Präsenz am Spielfeldrand im Brucknerstadion – wenn die SpVg. rief, war Wolfgang Weber da.
Er packte mit an und war sich nicht zu fein, den Grünrasen im Brucknerstadion auf eine Grashöhe von 25mm zu mähen, damit das Leder schnurgerade rollte. Seine Worte haben im Verein bis heute das Gewicht eines Gesetzes, nicht weil er sie laut ausspricht, sondern weil sie von einer beispiellosen Erfahrung und Integrität getragen werden.
Der Fußballticker und die Ikone: Ein Privileg der
Nähe
Für den Porzer Fußballticker war es ein journalistischer Ritterschlag, mit Wolfgang Weber in regelmäßigen Kontakt zu stehen und etliche
Interviews mit ihm führen zu können. Schließlich hatte man hier den Mann vor sich, der einst Bobby Charlton in Schach hielt.
Was mich bei den Zusammenkünften immer wieder elektrisierte, war die charismatische Nähe. Er begegnete dem Ticker nie als distanzierter Weltstar, sondern immer als „einer von uns“. Er suchte den Dialog, gab tiefgründige Analysen zum aktuellen Spielgeschehen in Porz und blieb dabei stets nahbar und bodenständig.

Diese Bewunderung war jedoch nie blind, sondern speiste sich aus dem Respekt vor Webers Lebensleistung. Für den Ticker war es ein Privileg, die Brücke zwischen der „Legende Weber“ und dem modernen Porzer
Amateurfußball schlagen zu dürfen.
Die Bewunderung oder auch manchmal Verwunderung war auch auf vielen auswärtigen Plätzen bei Spielen der „Rothosen“ zu spüren. Irgendwann erblickte man ihn als treuen Zuschauer und dann veränderte sich plötzlich die Atmosphäre. Ein Raunen ging durch die Zuschauerreihen, Köpfe drehten sich. Dort, am Zaun oder hinter der Bande, im schlichten Mantel und mit jenem unverkennbaren, wachen Blick, stand er: Wolfgang Weber.

Die Magie der charismatischen Nähe
Das nahmen unzählige Stadionsprecher zum Anlass ihn herzlich über die Lautsprecherboxen zu begrüßen, was immer einen langen dankenden Applaus nach sich zog. Wenn wir uns mal nach einem schwachen SpVg-Match über den Weg liefen, legte er oft die Hand auf meine Schulter und sagte jenen Satz, der mir ganz präsent in Erinnerung ist:
In diesem Moment wurde deutlich, warum die Zusammenarbeit mit ihm ein Privileg war. Weber sprach über die SpVg. Porz mit derselben Leidenschaft wie über das Finale von Wembley. Für ihn gab es keinen
„kleinen“ Fußball.
Wolfgang Webers Bedeutung für Porz lässt sich nicht allein in Toren oder Titeln messen. Er steht für eine Ära, in der Fußball noch eine Frage der Ehre und der Heimatverbundenheit war. Er ist das Gesicht von Porz. Er hat den Namen unseres Stadtteils in die Welt hinausgetragen und ist dennoch immer der Junge geblieben, der auf den heimischen Ascheplätzen den Traum vom Fußball lebte.
Die „gute Fee“ an seiner Seite: Dragan Balog
In den vielen Jahren der Begleitung gab es auch Phasen, in denen die Gesundheit des mittlerweile 81-jährigen Idols Tribut forderte. In diesen Zeiten trat eine besondere Person in das Blickfeld des Tickers: Dragan Balog. Als enger Freund und loyaler Wegbegleiter war Dragan Blog die
„gute Fee“ im Hintergrund.
Besonders wenn Weber mal ein paar mehr Wehwehchen hatte, sorgte Dragan mit unendlicher Geduld und Fürsorge dafür, dass es der Ikone an nichts fehlte und er bezüglich der Porzer Fußballszene immer up to
date war.
Diese tiefe Freundschaft zwischen den beiden spiegelte die Werte wider, die Wolfgang Weber selbst verkörperte: Treue, Verlässlichkeit und Zusammenhalt. Dragan Balog ist der Fels, der im Hintergrund dafür sorgt, dass die Verbindung zwischen Weber und seinem geliebten Fußball bis heute nicht abgerissen ist.
Das Vermächtnis im Ticker
Wenn der Porzer Fußballticker 2026 seine Pforten schließt, wird Wolfgang Weber in den digitalen Annalen den Ehrenplatz einnehmen, der ihm gebührt. Nicht nur als der große Fußballer, sondern als der
Mensch, der seinem Veedel und seinem Verein immer treu geblieben ist.
Seine Bescheidenheit ist die Messlatte für jeden Bericht, den wir je verfasst haben. Er hat uns gelehrt, dass man zwar Weltmeister werden
kann, aber niemals vergessen darf, auf welchem Platz man die ersten Fußballschuhe zerrissen hat.
Der Porzer Fußballticker verneigt sich vor einem außergewöhnlichen Sportsmann, dessen Herz immer Rot-Weiß schlägt – sowohl für den FC als auch für seine SpVg. Porz.
Bleib gesund „Wolle“
Wolfgang Weber all over the years …









