24 Jahre Fussballticker-Rückblick:

Alles hat seine Zeit …

Mit Beendigung der Saison 25/26 geht auch der Porzer Fussballticker in seinen wohlverdienten Ruhestand. 24 Jahre lang haben wir die Porzer Fußballvereine begleitet und ihnen eine Bühne gegeben. Wir haben Menschen zusammengebracht, Konflikte durch offene Worte entschärft und Karrieren sowie Lebenswerke dokumentiert.

Am 7. Juni 2026 wird beim Porzer Fußballticker der letzte Abpfiff ertönen. Doch bevor wir die Tastaturen endgültig zuklappen und die digitalen Tore schließen, wollen wir gemeinsam mit euch noch einmal die Reise durch die Zeit antreten.

Jeden Freitag: Ein Stück Unsterblichkeit

Wir öffnen das Archiv, die heilige „Ticker-Schatzkammer“ (2002–2026), und präsentieren euch in den verbleibenden Wochen ein wöchentliches Highlight-Programm, das die Herzen aller Amateurfußball-Romantiker höherschlagen lässt. Heute schauen wir bei den spannenden Porzer Lokalderbys vorbei, die immer wieder von einer knisternden Atmosphäre umgeben waren. Viel Spaß beim Lesen.

Die Schlacht um Porz: 24 Jahre Lokalderbys im Spiegel des Fußballtickers

Wenn in der Bezirksliga und Landesliga das Flutlicht anging und ein typisches Porzer Derby auf der Anzeigetafel stand, dann ruhte im Stadtbezirk 7 der Rest der Welt. Die meistgenannten Protagonisten: SpVg. Porz, RSV Urbach, SV Westhoven-Ensen, GSV Prometheus Porz und Germania Zündorf. Wir nannten die Duelle ehrfürchtig: „Porzer Clasico“ in Anlehnung der spanischen Rivalen Real & Barca. In den 24 Jahren seiner Existenz war der Porzer Fußballticker das Epizentrum dieser Duelle. Diese Derbys waren nicht einfach nur Fußballspiele; sie waren soziale Ereignisse, Familiendramen und sportliche Offenbarungen zugleich.

Die Protagonisten der Nachbarschaftshölle

Über viele Jahre begegneten sich die Clubs in der gleichen Liga. Jeder mit einer ganz eigenen Identität. Wenn der Schiedsrichter in Porz anpfiff, ruhte der Verkehr! Über Jahrzehnte hinweg waren die Porzer Lokalderbys ein Hexenkessel, in dem sich fünf Schicksalsgemeinschaften nichts schenkten. Das war manchmal kein Fußball – das war Glaubenskrieg, Herzblut und pure Anarchie auf dem Platz!

Hier ist die geballte Ladung Porzer Fußball-Leidenschaft! Packen wir die Derby-Stimmung in Worte, die nach Flutlicht, nassem Rasen und Adrenalin riechen.

SpVg. Porz: Das stolze Flaggschiff der legendären Rothosen

Die SpVg. Porz, die gefürchteten „Rothosen“, war immer das traditionsreiche Flaggschiff, das oft mit der Erwartungshaltung des „Großen“ in die Derbys ging. Sie waren die Instanz. Wenn die SpVg. Porz den Platz betrat, wehte der Hauch der großen Fußballwelt durch die Nachbarschaft. Sie gingen immer mit dem unbändigen Willen ins Derby und der Bürde des Favoriten in jedes Duell.

Für die Konkurrenz waren sie oft die Gejagten, für die eigenen Fans die ewige Nummer Eins. Ihr Charakter: Souverän, machtvoll, gnadenlos, mit einem Schlachtruf der immer unter die Haut ging: „WIR SIND PORZ“. Wer die Rothosen schlagen wollte, musste mehr als nur Fußball spielen – man musste eine Legende stürzen!

RSV Urbach: Die unbezähmbaren Mentalitäts-Monster

Willkommen in der Zone der Schmerzen! Der RSV Urbach war keine Mannschaft, sie waren eine leidenschaftliche Kämpfertruppe, die niemals aufgab. Besonders unter der legendären Ära Hennes & Brendel wurde hier ein Geist geformt, der den Gegnern schon im Spielertunnel den Schweiß auf die Stirn trieb.

Die Urbacher „Mentalität des Durchbeißens“ ist Kult – Kämpferisch, unnachgiebig, kantig. Frei nach dem Motto „Lieber sterben als verlieren“ war es viele Jahre ein absoluter Vorzeigeclub mit einem Image wie Donnerhall, bei dem jeder Meter Boden mit Blut, Schweiß und Tränen verteidigt wurde. Damals wurden viele Derbys gewonnen, heute herrscht eine andere Zeit.

SV Westhoven-Ensen: Die Bastion vom Rhein

An der nördlichen Grenze wurde es ungemütlich! Der SV Westhoven-Ensen war der Inbegriff der familiären Bindung – ein verschworener Haufen, der zusammenhielt wie Pech und Schwefel. Wer an den Rhein kam, lernte schnell was es hieß, gegen einen stolzen und unbequemen Rivalen zu spielen.

Hier wurde keiner allein gelassen, und wer den SVW angriff, bekam es mit dem ganzen Dorf zu tun. So waren sie: Familiär, giftig, unbeugsam mit dem hauseigenen Spirit. Für alle Derbys galt: „Unsere Grenze, unsere Regeln!“ Ein wahres Bollwerk, an dem schon viele Träume zerschellten!

GSV Prometheus Porz: Die Götter des Rasenschachs

Sie brachten den Glanz der Ägäis nach Porz! Der GSV Prometheus war das Team für die Feinschmecker. Mit spielerischer Eleganz und einem südländischen Temperament, das jederzeit explodieren konnte, verliehen sie der Nachbarschaftshölle eine technisch versierte Note.

Sie waren technisch brillant, temperamentvoll, magisch, frei nach dem Motto: „Fußball ist Kunst – und wir sind die Künstler.“ Wenn Prometheus zauberte, stand die Zeit kurz still – auch wenn das Feuer vielleicht nur von kurzer Dauer war, so brannte es bei Derbys doch heller als alles andere in der Liga!

FC Germania Zündorf: Der erwachte Riese

Lange Zeit war es still in Zündorf, fast schon zu still. Der Club mit der gewaltigen Geschichte dümpelte Jahre in der Kreisliga vor sich hin – ein schlafender Riese, den viele schon abgeschrieben hatten. Doch wer zuletzt lacht, lacht am besten!

Mit einem gesunden Umfeld und unbändigem Willen hat die Germania die Ketten gesprengt und den Sprung auf die Bezirksebene geschafft. Ambitioniert und historisch. Ein alter Traditionsclub, der nur richtig tief Luft nehmen muss. Dann sollte sich die Konkurrenz warm anziehen, denn dieser Riese hat einen Riesenhunger und ist so schnell nicht satt zu bekommen.

De Schäl Sick. Ein Stadtteil. Eine Region. Unendliche Geschichten. Das ist die Porzer Fußballderby-Nation!

Der Porzer Fußballticker hat in über zwei Jahrzehnten immer wieder das gleiche Phänomen dokumentiert: In einem Porzer Derby ist die Tabelle wertloses Papier.

Da spielen auf einmal psychologische Faktoren eine Rolle: Spieler, die sich seit der F-Jugend kannten, zusammen groß geworden sind, standen sich plötzlich als erbitterte Rivalen gegenüber. Der Ticker beschrieb oft, wie diese persönliche Nähe zu einer fast greifbaren Elektrizität auf dem Platz führte.

Die „Eigenen Gesetze“: Wenn Tabellenplätze Schall und Rauch sind

Ob im Brucknerstadion (Autohaus Schmitz-Sportpark), an der gefürchteten Oberstraße, der Nachtigallen-Arena, der Festung am Bieselwald, der staubigen Stresemann-Arena oder dem schnuckeligen Jupp Röhrig-Sportpark – die Zuschauerzahlen verdoppelten oder verdreifachten sich bei Derbys. Die Atmosphäre konnte man knistern hören. Der Geruch von Bratwurst vermischte sich mit der Anspannung der Funktionäre.

Vor allem aber ging es um die „Veedels-Hoheit“: Ein Derbysieg bedeutete die fußballerische Machtstellung in der Stadt, für die Clubs nicht nur drei Punkte, sondern die Vorherrschaft beim Bäcker, in der Kneipe und am Stammtisch für das nächste halbe Jahr. Und: Der meisterliche Gesang „Die No. 1, die No. 1, die No. 1 in Porz sind wir…“, den die siegreichen Mannschaften so laut aus den Kabinen schmetterten, dass die Laute bis zum Kölner Dom hallten.

Das „Mittendrin-Gefühl“: Die epische Breite der Berichterstattung

Ein besonderes Merkmal des Fußballtickers war der immense Umfang der Derby-Berichte. Während normale Spiele mit einer knappen Analyse bedacht wurden, glichen die Derby-Aufzeichnungen fast schon kleinen Romanen. Der Ticker verfolgte ein klares Ziel: Wer nicht am Platz war, sollte beim Lesen den Rasen riechen und das Geschrei der Trainer hören können.

Die Berichte fingen die „Fußballergefühle“ ein – das triumphale Jubeln vor der gegnerischen Fankurve ebenso wie den gesenkten Kopf des Kapitäns nach einer Niederlage in der 90. Minute. Und das mit einer ordentlichen emotionalen Tiefe. Diese epische Breite sorgte dafür, dass der Ticker zur Pflichtlektüre am Montag wurde.

Die Gratwanderung: Das Gebot der Neutralität

Inmitten dieser hochemotionalen Duelle stand man als Chefredakteur und das Gesicht des Tickers. Die Aufgabe war eine der schwierigsten im Porzer Sport: Die absolute Neutralität wahren. Obwohl man oft als Fan des guten Fußballs und Bewunderer von Persönlichkeiten wie Wolfgang Weber bekannt war, durfte man mit der Feder niemals eine Seite bevorzugen.

Damit war dann Diplomatie gefragt, wo der eigene Hauptjob sehr hilfreich sein konnte. Nach einem hitzigen Derby zwischen Urbach und Porz die richtigen Worte zu finden, die Härte des Spiels zu benennen, ohne die Fairness zu verletzen. Aber auch ehrlich bleiben, die Dinge klar beim Namen zu nennen und sich keinesfalls verbiegen lassen.

Fehlentscheidungen zu kritisieren, auf beiden Seiten gleichermaßen und den Sportsgeist loben. Diese Unabhängigkeit war das Fundament für das grenzenlose Vertrauen, das alle Vereine dem Ticker entgegenbrachten. So wurde der Ticker der „Schiedsrichter der Worte“, der wahre objektive Beobachter.

Fazit eines Vierteljahrhunderts Derby-Fieber

Die Duelle zwischen den heimischen Fußballclubs haben den Porzer Fußballticker definiert. Sie waren das Salz in der Suppe. In diesen Spielen manifestierte sich alles, was den Amateurfußball ausmacht: Leidenschaft, Drama, Stolz und die unzerbrechliche Verbundenheit zum eigenen Veedel. Dass der Ticker diese 24 Jahre lang begleiten durfte, war ein Geschenk an die Sportgemeinschaft. Er hat dafür gesorgt, dass die Siege nicht vergessen werden und die Niederlagen mit Würde dokumentiert wurden.

Interessant in den 24 Jahren des Porzer Fußballtickers waren auch bestimmte Sätze und Redewendungen der Porzer Trainer, die uns nach einer heißen Derbyschlacht in die Mikrofone diktiert wurden. Es waren die typischen Floskeln die wir schon so viele Jahre aus der Bundesliga kennen, Worte die sich über viele Jahre in das kollektive Gedächtnis der hiesigen Fußballfans einbrannten. Diese „Kult-Zitate“, wie „Das Derby hat seine eigenen Gesetze“ oder „Da brannte der Baum im Veedel“ oder „Wir haben heute die Tugenden vermissen lassen, die man in einem Porzer Derby braucht“ waren wohl die meistbenutzen typischen Redewendungen der Porzer Trainergilde.

Fußballerische Schlagzeilen für die Ewigkeit

Es war auch eine Wonne, die entsprechenden Headlines und Schlagzeilen zu formulieren und zu veröffentlichen. Hier haben wir nicht die normale schlichte Form gewählt, sondern uns gezielt im Bereich der Übertreibungen bewegt. Wenn wir bei der Wortwahl beispielsweise eine „Schicksals-Schlacht“ wählten, wussten wir das der Leser mit einer anderen Erwartungshaltung in den Bericht reingeht.

Insgesamt hat es die Leistung der Akteure auf dem Platz auf das Niveau von Gladiatoren aufgewertet, genau das was die Fußball-Leser haben möchten. In der Berichterstattung von Porz-Online.de bzw. später dem Porzer-Fussballticker.de ging es darum, dem Amateurfußball ein stückweit die Relevanz der Bundesliga zu geben. Wenn ein Stürmer in der Kreisliga oder Bezirksliga drei Tore schoss, war er für diesen einen Sonntag kein Hobbykicker, sondern ein „Scharfschütze“ oder „Derby-Held“.

Diese Sprache, dieses schriftliche Feedback wertet den Alltag der Spieler und Fans auf und macht das Lokale zum Epischen. In der Welt des Fußballs, besonders bei einem Lokalderby im Porzer Bezirk, sind Schlagzeilen weit mehr als nur Information. Sie sind das digitale oder gedruckte „Stadiongebrüll“.

Schlagzeilen über ein Porzer Derby waren die Kirschen auf einem leckeren Sonntagskuchen. Sie machten aus Nachbarn für 90 Minuten erbitterte Rivalen. Und danach wieder Freunde bei einem gemeinsamen Kölsch – so muss es sein und so wird es auch immer bleiben!