24 Jahre Fussballticker-Rückblick:

Mit Beendigung der Saison 25/26 geht auch der Porzer Fussballticker in seinen wohlverdienten Ruhestand. 24 Jahre lang haben wir die Porzer Fußballvereine begleitet und ihnen eine Bühne gegeben. Wir haben Menschen zusammengebracht, Konflikte durch offene Worte entschärft und Karrieren sowie Lebenswerke dokumentiert. Bis zum Saisonende schauen wir in unregelmäßigen Abständen tief in unser unendliches Archiv und lassen ein paar Gedanken Revue passieren. Heute widmen wir uns den vielen Interviews die wir geführt haben.

Das Wort als Brücke: Die Ära der Legenden-Interviews

Ein Rückblick auf das journalistische Herzstück des legendären unverzichtbaren Porzer Fußballticker (2002–2026)

Am 7. Juni 2026 geht der legendäre Porzer Fussballticker in seinen wohlverdienten Ruhestand. Dann fällt der letzte Vorhang und der Ticker hinterlässt ein Archiv, das weit über Tabellen und Spielberichte hinausgeht. Es ist auch ein Archiv der Stimmen, der Meinungen und der Persönlichkeiten. In unregelmäßigen Abständen lassen wir die 24 Jahre Revue passieren. Heute nehmen wir das Thema „Interview“ unter die Lupe.

Ich wurde oft gefragt, was für mich die wichtigsten Bausteine einer guten Pressearbeit waren. Ganz wichtige Bausteine waren die vielen Interviews mit den Trainern, den Funktionären und den vielen Helfern im Hintergrund. Diese Form der Kommunikation war über zwei Jahrzehnte hinweg das Qualitätssiegel des Tickers, die den Amateurfußball im Kölner rechtsrheinischen auf eine professionelle Bühne gehoben hat.

Das Interview als „Öffentliches Wohnzimmer“

Ein Interview im Porzer Fußballticker war nie nur eine bloße Abfrage von Fakten. Es war ein tiefgründiger Dialog, der die Menschen hinter den Funktionen sichtbar machte. Dabei war immer wichtig eine Atmosphäre des Vertrauens zu schaffen, in der sich jeder als wertvoller Funktionär und Mensch gleichermaßen wertgeschätzt fühlen konnte, egal welcher Liga er angehörte.

Ein Interview oder ein Statement mit einem Trainer kurz nach dem Spiel war für mich immer was Besonderes. Man trifft auf Menschen, die absolut noch unter dem Einfluss des gerade erlebten stehen. Sie sind glücklich, sie sind freudig, aber auch tieftraurig und bekommen kaum ein Wort heraus. Sie sind oftmals richtig gekennzeichnet von den vergangenen 90 Minuten und da muss man schon die richtige Wortwahl der Fragestellung beachten.

Der Trainer im Interview

Über die vielen Jahre spielt sich das Kommunikationsspiel dann ein wenig ein, der Journalist weiß wie der Sportsmann tickt und umgekehrt, aber es zeigt deutlich, dass gerade die Sportsmänner in den 90 Minuten physisch und psychisch oft bis auf das Äußerste gefordert werden. Man erkennt diese brodelnde Leidenschaft die da gelebt wird.

Natürlich hat es in den 24 Jahren herausragende, aber auch tieftraurige Interviews gegeben. Nehmen wir die Statements nach den Doppelaufstiegen vom SV Westhoven-Ensen (KL B -> KL A -> BZL) mit Ralf Fielen, von Germania Zündorf (KL B -> KL A -> BZL) mit Angelo Mule oder der SpVg. Porz (BZL -> LL -> MRL) mit Jonas Wendt, sie hatten natürlich standesgemäß viel Qualität, weil ein Doppelaufstieg schon etwas Besonderes darstellt.

Aber letztendlich bin ich immer der Meinung, dass jedes einzelne Interview, ob mit einem Trainer, einem Funktionär, einem Zuschauer oder wem auch immer, seine Berechtigung hatte und damit auch zum Spiegelbild der Ereignisse wurde.

Wenn Legenden zu Wort kommen: Wolfgang Weber und Franz Wunderlich

Zu den großen Unterhaltungen zählen natürlich die Interviews mit Wolfgang Weber und Franz Wunderlich. Das war dann schon für den Ticker ein absolutes Highlight, denn schließlich sind sie Größen des deutschen Fußballs, die ihre Wurzeln oder ihre Verbundenheit in Porz nie vergessen haben. Ich erinnere mich an 2006, also vor 20 Jahren, als Franz Wunderlich, Trainer der SpVg. Porz, damals noch Porz-Gremberghoven, nach einem erneuten Entscheidungsspiel der Aufstieg in die damalige Verbandsliga (heutige MRL) gelang.

Er war so überwältigt von dem was da passierte, kam zum Interview, umarmte mich, fing wie ein Schlosshund an zu weinen, ließ mich nicht wieder los und grummelte „Sorry, ich bin fix und fertig!“. Das war einer dieser Momente, wo du dann sagst: So etwas macht auch was mit mir, dem kleinen Berichterstatter. Und so muss es hunderten von Porzer Zuschauern gegangen sein, die Zeuge dieses Ereignisses wurden. An diesem Tag wurde Franz Wunderlich vom Fussballticker ehrfürchtig „Maestro Franz“ getauft, eine Huldigung die bis heute ihre Gültigkeit behalten hat.

Kurze Zeit später stand der Franz wieder professionell Rede und Antwort, so wie man ihn kennt. Auch Jahre später, wo er dann im Sportvorstand von Viktoria Köln verantwortlich war und heute noch ist, gab es noch einige Interviews mit ihm. Sie waren für den hiesigen Fußball in Porz und Köln sehr interessant, weil sie exklusive Einblicke in die Verzahnung von Profifußball und lokaler Vereinsarbeit boten und eigentlich Pflichttermin für jeden Leser waren.

Die Welt des Fußballs in Porz

Ein besonderes Markenzeichen waren natürlich die Gespräche und Interviews mit Wolfgang Weber, das FC-Idol und der Vize-Weltmeister von 1966. Der Porzer Jung! In Porz lernte er das Fußballspielen, zog in die Welt hinaus, legte eine atemberaubende Fußballkarriere hin und kehrte in seinen späten Jahren zurück nach Porz, da wo alles mit „seinen Rothosen“ begann. Das erste Interview (2004) was er dem Ticker gab, war irgendwie ein Ritterschlag für den gesamten Porzer Fußball.

Wer hat schon das große Glück, einem solch großen Idol so auf den Zahn zu fühlen und hier eine sinnbildliche Brücke vom Weltklasse-Fußball zur Basis in Porz zu schlagen. Es war mehr als nur Nostalgie. Wenn er sprach, hörtest Du automatisch zu, alles hatte Hand und Fuß. Er konnte das Match „seiner Rothosen“ perfekt analysieren und sprach klare Kante.

Auch wenn er über die Ereignisse mit dem legendären Wembley-Tor von 1966 erzählte, konntest du nur deine Ohren spitzen. Kein Wunder, denn er war es, der das Wembley-Tor so nah erlebt hat wie niemand anderes. Er war ein mitreißender Erzähler, der noch jede Szene vom größten WM-Finale aller Zeiten parat hatte. Seine Worte fesselten einen jedes Mal, man stellte sich alles bildhaft vor, wie die Dramaturgie damals ihren Lauf nahm.

Das Besondere an „Bulle Weber“: Er erzählte diese wahre Geschichte jedem der sie hören wollte und wenn es das 1000. Mal war. Der Porzer Fussballticker erlangte mit den fortlaufenden Jahren bei Wolfgang Weber eine große Anerkennung. Weber als Gesprächspartner zu gewinnen, unterstrich das enorme Renommee, das sich der Ticker erarbeitet hatte.

Auch wenn die kleinen gesundheitlichen Wehwehchen mehr geworden sind, das Interesse an seiner SpVg. hält unvermindert an. Dafür sorgt auch sein großer Freund Dragan Balog, der mit dem großen FC-Idol noch so manche Unternehmungen teilt und sich fußballerisch austauscht.

Die „Kleine Bühne“ für die „Großen Macher“

Das vielleicht wertvollste Erbe der Interview-Arbeit war jedoch die Sichtbarkeit, den verdienten Mitarbeitern in den Vereinen eine kleine Bühne zu schenken. Genau denen eine Stimme zu geben, die sonst eher im Hintergrund wirken, aber ohne die kein Ball rollen würde. In ausführlichen Porträts und Befragungen kamen Persönlichkeiten zu Wort, die den Porzer Fußball über Jahrzehnte geprägt haben:

Peter Dicke, Peter Gilges, Freddy Canalejas, Mike Dauvermann, Christian Vonthron, Norbert Neu, Wilfried Dornbusch, Norbert Lissewski, Angelo Mule, Dieter Hennes, Karl-Heinz Brendel, Robby Gebhardt und viele weitere „Gesichter der Vereine“. Für alle war das Interview im Ticker eine Form der öffentlichen Anerkennung, die es in dieser Form nirgendwo sonst gab. Es war die „kleine Bühne“, die ihre wertvolle Vereinsarbeit für die breite Öffentlichkeit greifbar und wertschätzend darstellte. Darauf bin ich als Chefredakteur sehr stolz!

EIN PERSÖNLICHES WORT DES CHEFREDAKTEURS